Mit der Hilfsbereitschaft ist das manchmal so eine Sache… Da setzt man sich ein, um anderen die Verständigung zu erleichtern und verkompliziert damit eher, als zu helfen. Müssen die so Beholfenen nun dankbar sein?
„Möchten Sie lieber Käse oder Schinken?“ – Natürlich war mir klar, dass der freundliche Stewart meinem Sitznachbarn schon verständlich machen würde, dass dieser zwischen zwei verschiedenen Belägen für seine krümelgehemmt gummiartige Laugenstange wählen könne. Der Neuseeländer zu meiner Seite machte jedoch keinerlei Anstalten, auf seine nichtexistenten Deutschkenntnisse hinzuweisen und blickte nur verständnislos zwischen dem Flugbegleiter und mir hin und her.
Meiner die Hilfsbereitschaft stets for- und fördernde Erziehung folgend kam ich dem Stewart zuvor und übersetzte die Frage rasch ins Englische, woraufhin mein Herr Nachbar seine englische Antwort auch nicht dem ursprünglich Fragenden, sondern mir gab und mich damit zwang, dem Stewart – dem ich natürlich durchaus hervorragende Englischkenntnisse zutraute – den mir zugenuschelten Reim „cheese please“ in „Er hätte gern Käse“ zu übersetzen.
Der Empfänger meiner Nachricht fühlte sich nun ereifert, seine Ehre wieder herzustellen, indem er in blütenreinem Englisch fragte, warum der Herr denn nicht darauf hingewiesen habe, dass er des Deutschen nicht mächtig sei.
Seine eifrige Reaktion gab mir zu denken…hatte ich ihn beleidigt? War es unhöflich, dem Stewart einen Teil seiner Arbeit quasi abzunehmen? Ich an seiner Stelle hätte die fremdsprachige Kommunikation als Höhepunkt des Jobs betrachtet und nur ungern an andere abgetreten.
Letztlich und nach ausgiebigen Grübeleien habe ich aber beschlossen, mich nicht zu sehr zu grämen. Schließlich treibt mich meine Erziehung zur Hilfsbereitschaft ebenso dazu, den Flugbegleitern die leergeputzten Essenstabletts zu reichen, was ich nicht unbedingt zu meinen Lieblingsaufgaben zählen würde. Aber wer weiß – vielleicht lässt sich der eine oder andere gerade das nur ungern nehmen?
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