Donnerstag, 14. Mai 2009

Von Rebenschälern und strandtauglichem Gerstensaft

Manchesmal mag man meinen, die ganze Welt teile sich in Wein- und Biertrinker auf. Dass das nicht stimmt, beweise ich, denn ich gehöre der glücklichen Minderheit an, die sich beides gerne schmecken lässt.

Bei beiden Getränken ist es besonders interessant, auf Reisen (innerhalb wie außerhalb Deutschlands) die dort heimischen Sorten zu versuchen, wobei man in einigen Gegenden schnell zum erklärten Biertrinker wird – in meinem Erfahrungsschatz belegt Brasilien dieses Erlebnis. Natürlich ist mir bewusst, dass es im Süden des Landes durchaus annehmbare Traubenerzeugnisse gibt. Leider hatte ich nicht die Freude, diese kennenzulernen, sondern bekam nur die künstlich-süßlichen Produkte der Gegend um Rio de Janeiro zu schmecken … bald hatte ich meine Lektion gelernt und blieb beim Skol, der mir liebsten Biersorte des Landes. Tatsächlich haben die Brasilianer einige recht gute (wenn auch für deutsche Gaumen etwas wässrige) Biere, wobei hier die in Brasilien zahlreichen deutschen Einwanderer sicherlich die Initialzündung für Produktion und Qualitätsstandards gegeben haben. Der geringere Alkoholgehalt ist definitiv von Vorteil, ist es in Brasilien doch durchaus üblich, im Laufe eines der gerne und häufig eingelegten Strandtage gut und gerne zwei bis drei Halbliterflaschen pro Person zu verkonsumieren – und das in der prallen brasilianischen Sonne! Dabei gibt es unendlich viele leckere alkoholfreie Alternativen in diesem tropischen Land! Aber das gibt genügend Stoff für einen eigenen Blogeintrag.

Die Brauereitradition der Griechen ist dagegen nicht sonderlich alt. Und das, obwohl der erste König des Landes, Otto von Wittelsbach, gebürtiger Bayer war! Er regierte von 1832 bis 1862, und während dieser Zeit galt in Griechenland sogar das bayerische Reinheitsgebot. Trotzdem war bis vor wenigen Jahren in den meisten Tavernen nur die Wahl zwischen Amstel und Heineken zu treffen – beides holländische Biere. Noch heute sind dies die meistverkauften Marken, und so mancher Tourist enttarnt sich durch die Wahl des milderen Amstel (ich auch!). Die Griechen trinken fast alle Heineken, dieses bittere Gebräu …
Besonders unterschätzt wird aber der griechische Wein! Viele Urlauber kennen nur die Tischweine, die in den einfachen Tavernen sehr günstig zum Essen gereicht werden. Ich persönlich liebe diese rustikalen, säuerlichen Weine sehr und beobachte mit Entsetzen, dass diese in unserer bevorzugten Region Griechenlands immer seltener werden. Allerdings muss ich gestehen, dass sie mir auch nur in Griechenland schmecken. Der Versuch, durch ihren Export das Urlaubsgefühl im tristen deutschen Herbst aufleben zu lassen, ist kläglich gescheitert. Die „ordentlichen“ Weine Griechenlands lassen sich dagegen hervorragend auch in Deutschland (oder wo auch immer) trinken. Besonders die eher kräftigen Rotweine der bereits im Altertum für den Weinanbau bekannten Region Nemea stehen den beliebten spanischen Weinen in nichts nach.

Außerdem stammt aus Nemea eine Bekannte, die mit ihrem Weinwissen (hoffentlich) unseren eigenen Weinstock gerettet hat: Sie riet uns, die Rinde des immer morscher werdenden Stocks abzuschälen – mal sehen, ob die nackte Rebe es uns dankt!

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