Sonntag, 19. April 2009

Wahrhaftig, er ist auferstanden! [Ostern in Griechenland, Teil 3]

Chrónia pollá", so tönt es heute aus allen Gärten der Nachbarschaft, wo die Großfamilien tanzen und feiern und wo das gegrillte Lamm vom Spieß betörende Düfte zu uns herüberschickt. Wir feiern den Ostersonntag der orthodoxen Christen.

Ich persönlich hatte dieses Fest bislang in keiner guten Erinnerung. Das letzte Mal, dass ich es hier feierte, war ich zarte vier Jahre alt, und das einzige, woran ich mich erinnere, ist der brennende Kopf der Judaspuppe, die in einigen Gemeinden am Ostermontag öffentlich verbrannt wird. Im Dorf unserer Wahl wurde sie außerdem mit Sprengkörpern gefüllt, und so hatten wir die zweifelhafte Chance, den explodierten Kopf mit bloßen Händen aufzufangen – was wir natürlich vermieden.
Dieses Jahr haben wir uns gegen dieses Spektakel entschieden - uns reicht schon, dass wir alle paar Minuten vor Schreck zusammenzucken, wenn wieder jemand einen dieser ohrenbetäubenden (und mit Sicherheit nicht GES-geprüften) Böller zündet. Aber das gehört hier nun einmal dazu und scheint vielen Leuten Freude zu bereiten.
Bei mir ist die Freude allerdings größer, wenn ich von den vielen Leckereien schlemmen darf, die das Osterfest traditionell mit sich bringt. Der Höhepunkt ist selbstverständlich das Osterlamm, auf das ich mich am heutigen Ostersonntag freuen darf. Auch die aus der Not der Fastenzeit heraus entstandenen Köstlichkeiten aus Fisch und Gemüse wären durchaus eine Sünde wert – aber das ist ja nicht einmal nötig! Neu gelernt habe ich, dass die Griechen, wenn sie fasten, auch kaum Fisch essen, da jegliches Getier mit rotem Blut verboten ist. Ein Hoch auf Sepia, Oktopus und Co. – wer wird da das Fleisch vermissen?
Ein weiterer Höhepunkt ist die Fastensuppe Majirítsa, mit der nach der mehrere Stunden dauernden Ostermesse in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Fastenbrechen zelebriert wird. Zartbesaitete Gemüter sollten sich lieber nicht über den Inhalt der Suppe informieren – die Innereien des für den Sonntag bereits vorbereiteten Lämmchens müssen schließlich auch Verwendung finden. Durch meine langjährige Griechenlanderfahrung solcherlei Spezialitäten gegenüber aufgeschlossen, war ich begeistert von dem gräulichen Eintopf.

Besonders gut gefällt mir auch der dem Fastenbrechen vorangehende Brauch: Kurz vor Mitternacht wird das Ende der Ostermesse mit mehreren Glockenschlägen im wahrsten Sinne eingeläutet. Nun wird das Osterfeuer vom Altar aus an alle Anwesenden auf ihre mitgebrachten Osterkerzen weitergegeben. Aus Platzgründen stehen die meisten Anwesenden nicht in, sondern vor der Kirche und lauschen der Messe über knarzende Lautsprecher, und so bietet sich ein heimeliger Anblick, wenn sich der Kirchenvorplatz allmählich erleuchtet. Nach einem weiteren Gebet ertönt die Osterlosung Christos Anesti – „Christus ist auferstanden“, die sich nun alle gegenseitig zurufen. Der so Gegrüßte antwortet mit Alithós, anésti („Wahrlich, er ist auferstanden“).
Jetzt hält es die hungrigen Griechen nicht länger in (bzw. an) der Kirche. Alles drängt in Richtung Zuhause, wobei das Osterlicht tunlichst nicht verlöschen darf. Zu Fuß, per Taxi und auch im eigenen Auto werden die brennenden und wachstropfenden Kerzen transportiert, um daheim angekommen das glückbringende Rußkreuz über die Haustür zu zeichnen. Natürlich sind die Griechen mit der Zeit einfallsreicher geworden: Die meisten sichern ihr Feuer in einer mitgebrachten Laterne.

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