Sonntag, 5. April 2009

Azulejinhas erster Blog!

Herzlich Willkommen allen, die sich hierher verirrt haben! Um ehrlich zu sein schreibe ich aber gar nicht in erster Linie für Euch...

Nein, ich hoffe, hierin endlich ein Medium gefunden zu haben, um meine Gedanken herauszuschreiben, ohne mich hinterher über die unsaubere Handschrift, das Eselsohr in der Folgeseite oder den schmerzenden Ringbuchabdruck auf meiner Schreibhand zu ärgern. Außerdem komme ich hier nicht in Versuchung, anstatt des bislang genutzten, ohnehin nicht sehr schönen Schreibheftes ein (durch Kauf oder Beschenktwerden) neu erworbenes Büchlein zu verwenden, um auch dieses aus Praktikabilitätsgründen bald durch ein neues Exemplar zu ersetzen. Diese Blankobücher sind ein äußerst beliebtes Geschenk, wunderhübsch anzuschauen – und unglaublich unpraktisch in der Handhabung! Vermutlich weiß das der Schenkende und nutzt den Umweg übers Schenken, um dem Drang des Kaufenwollens trotzdem nachgeben zu können. Vermutlich stelle ich diese Vermutung an, weil ich einer dieser selbstgerechten Schenker bin.

Tatsächlich ist das einzige tagebuchähnliche Schreibheft, das ich je bis zur beinahe vollständigen Füllung benutzt habe, durch einen tragischen Schicksalsschlag verloren gegangen. Ich, vierzehnjährig, war mit der Familie im Urlaub – natürlich nicht ohne mein Heft im Gepäck. Unglücklicherweise gaben wir während der Rundreise nicht immer so gut auf unseren Mietwagen acht, wie es vernünftig gewesen wäre. Was für ein Schreck, als ich nach der Besichtigung irgendeines kitschigen Touristenortes zum Auto zurückkehrte und feststellte, dass ausgerechnet auf „meiner Seite“ des Wagens die Fensterscheibe scherbenförmig auf meinem Sitz verteilt war. Und was hatte der Dieb mitgehen lassen? Meinen Rucksack! Und nur meinen Rucksack! Die uralte Kleinbildkamera, das einzige darin verstaute Objekt mit nennenswertem materiellem Wert, hätte ich ihm durchaus gegönnt. Hätte ich seinen „Besuch“ vorausgeahnt, vermutlich hätte ich die Kamera auf den Sitz gelegt und mit einem freundlichen Brief versehen, dass es sonst nichts zu holen gebe und der werte Herr Einbrecher mir doch bitte meine privaten Erinnerungen (d.h. mein Schreibheft) belassen solle. Bedauerlicherweise hatte er sich aber nicht vorher angekündigt, auch waren meine heutigen Portugiesischkenntnisse damals noch ferne Zukunftsmusik, so dass diese Option einfach keine war.

Was mich aber vor allem umtreibt, ist die Frage, warum mir der Verlust dieser Teenagermemoiren noch immer so nahe geht. Die Erinnerungen an die damaligen, großen Ereignisse sollten doch in meinem körperinternen biochemischen Speicher abgelegt sein?! Oder habe ich mich etwa auf den Zeilen ausgeruht, meine Denkleistung auf das Malen altbewährter Lautzeichen konzentriert und darüber vergessen, die Details, die Beschreibung meiner damaligen Gefühlswelt, im Gedächtnis abzuspeichern? Eine bedrückende Vorstellung, die mich ständig dazu antreibt, alle schönen, interessanten und eindrucksvollen Erlebnisse in Zukunft ganz bewusst zu registrieren und vor jeglichem äußerem Einfluss sicher im Gedächtnis abzulegen – dann kann ja auch den Inhalten dieses Blogs nichts geschehen.

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